Freiwassermeisterschaften von Thomas Malies


Auf Anregung von Jannis sehe ich mich veranlasst Euch, liebe Vereinskameraden/-innen, an meinem kleinen Ausflug ins Freiwasser teilhaben zu lassen.

Und wie anders als „Erlebnis“ soll man es nennen, wenn einen morgens um 7 das Navi bei Krefeld-Süd von der Autobahn holt und  mit eisiger Stimme mitteilt, dass die eingeschlagene Richtung genau so grundfalsch ist wie die nach U-Turn probierte Strecke zurück. Tja, offensichtlich war nicht nur der Teilnehmer Masters AK 50 sondern die verwendete Software auch. 

Aber früh los gefahren wurde alles gut und unter gleißender Morgensonne konnte ich mich recht entspannt der nächsten Herausforderung stellen: Einchecken und Beschriften. 3 weiß gewandete Funktionärinnen jenseits der AK 75 nahmen freundlich meine Personalien entgegen. Nervös wurde ich erst, als ich – jetzt doch energisch – aufgefordert wurde, mich meiner Schuhe und Strümpfe zu entledigen und meine Füße her zu zeigen. Wo sollte das noch enden.

Frische Unterwäsche hatte ich erst für nach dem Wettkampf im Ruhrwasser der Regattabahn vorgesehen. O.k, es kam nicht zum Schlimmsten und ich kam mit dem Vermerk „geht grad noch so“ zur aktuellen Länge meiner Fußnägel durch, wurde 4-fach mit meiner Startnr. versehen und war damit für das große Abenteuer Freiwasser zugelassen. Ich fühlte mich da aber schon mitten drin. Wirklich schutzlos kam ich mir aber dann doch vor, als ich nur in Badebux den Bootsanleger hinunter Richtung Wasser schritt. Als Triathlet geht man selten so nackig: wir wissen genau wofür der Neo gut ist – ohne seinen Auftrieb würden wir bei Wasserkontakt mit all unsren Gadgets (Pulsuhr, Gurt, Garmin/GPS etc..) hoffnungslos untergehen.

Dass ich hier bei den Schwimmern auch ohne Gummiüberzieher nicht bezw. zumindest nicht direkt am Anfang absaufen musste wurde mir klar, als mich der humorlose Kontrolleur an der Wasserkante aufforderte, nun auch noch meine Uhr heraus zu geben. Das war doch die Höhe! So von allem Ballast erleichtert ging es auch schon los. Das Wasser kochte wie auf Hawaii und – 3 Sekunden später – Totenstille. Alle waren schon weg. Ich war allein mit mir und der Entengrütze. Im Gegensatz zum Triathlon, wo die meisten ja eher miese Schwimmer sind und knapp 20 min auf 1.000 brauchen, waren diese Jungs hier wirklich schnell (5mal 13 min je 1.000 m ohne sich mal festhalten oder abstoßen zu können ist ja schon mal was).

Halt, ganz allein war ich doch nicht, hinter mir dümpelten noch zwei 80-jährige im trüben Nass. Mit den hübschen gelben Badekappen hatten diese auch bewiesen, mit mir im selben Rennen zu sein, auch wenn die Zugfrequenz einer Wasserleiche würdig schien. Na, viel langsamer als ich waren sie so auch nicht. So wenig von Konkurrenten  gestört konnte ich mich die nächsten gut anderthalb Stunden ganz auf Flora und Fauna der Regattabahn konzentrieren.

Warum der Zielbereich hier „Zielgarten“ genannt wurde, hatte ich auf jeden Fall gleich kapiert: hier wuchsen Entengrütze und Algen besonders üppig. Dank meiner neuen Brille mit extra-großer Scheibe konnte ich das bunte Treiben unter Wasser prima verfolgen. Seit meiner Tauchexpedition am Barrier-Reef hatte ich selten so viel Leben dort gesehen. Unmengen kleine Fischchen flitzten übermütig an mir vorbei; nur ein veritabler Aal, der schon etwas angegammelt wirkte, hatte offensichtlich schon bessere Zeiten gesehen. Sei´s drum, so mannigfaltig abgelenkt und unterhalten, gestaltete sich die Stunde 35, die ich bis zum Anschlag brauchte, doch recht kurzweilig.

Ich hätte gern noch ein bisschen weiter gemacht, aber mit seiner Trillerpfeife brachte der Oberkampfrichter zum Ausdruck, dass ich jetzt wirklich lang genug meine Runden gedreht hatte. So entstieg ich dem kühlen Nass, wischte mir die Algen von der Stirn um…ja um mich unversehens auf dem Siegertreppchen wieder zu finden. Alle Achtung, die Freiwasserleute verschwenden wirklich keine Zeit (es bleibt ja auch nicht mehr viel davon übrig, wenn man stundenlang im Wasser ist). So konnte ich stolz meine Bronzeplakette in Empfang nehmen, bereits mit Namen und Zielzeit korrekt beschriftet.

Ich werde Sie dem Brander SV widmen und in der Ehrengalerie ausstellen lassen. Dass nur vier Teilnehmer in der AK am Start waren, braucht außerhalb unserer trauten Gemeinschaft ja niemand zu wissen…

So war´s und nicht anders, mit feuchtfröhlichem Gruß

Thomas Malies

 

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