Römermääään in Ladenburg


Bericht von Markus Stawinoga

Meine größte Triathlon-Herausforderung seit 2010 hatte ich mir für vergangenen Samstag vorgenommen, 8 Jahre nach meiner letzten Teilnahme beim Römerman in Ladenburg. Nach zwei Meniskus-Operationen und daher deutlich größerem Kampfgewicht, stand ich also wieder da, in Ladenburg in der Nähe von Heidelberg, und wollte endlich nochmal eine Kurzdistanz absolvieren. Damals war Hawaii-Sieger Norman Stadler unter den Teilnehmern, mit denen wir das Bad im Neckar teilten, in diesem Jahr war es der ehemalige Ironman-Champion Timo Bracht, der seine aktive Karriere allmählich ausklingen lässt.

Zusammen mit Andreas Trautmann und Uschi Scherberich hatten sich also drei BSV‘ler zu dieser sehr schönen Veranstaltung am Neckar getroffen. Da mein Terminkalender in Aachen mit anderen Terminen gepflastert war, ergab sich lediglich eine enge direkte Wettkampfvorbereitung; sprich 5.15 Uhr Aufstehen, 6.15 Uhr Abfahrt, 9.15 Uhr Ankunft in Ladenburg, 14 Uhr Start. Uschi und Andreas hatten es da etwas entspannter, da sie bereits am Vortag angereist waren und auch nach dem Wettkampf noch eine Nacht länger blieben. So traf ich nach planmäßiger Autofahrt in Ladenburg ein, fand einen guten Tri-Parkplatz auf den Neckarwiesen und suchte mir nach Empfang meiner Startunterlagen erst mal ein kleines Frühstück; es gibt Schlimmeres als ‘nen Becher Kaffee und ‘ne Brezel bei Sonnenschein.

Der Wettergott schien dem Regengott des Vortages zu trotzen und so konnte die unmittelbare Wettkampfvorbereitung in der Wechselzone beginnen. Während Andreas und ich unseren Wechselplatz präparierten, machte sich Uschi auf eine 80 km-Radrunde, um nach Ihrer Verletzung allmählich wieder Form aufzubauen. Nach der ausführlichen Wettkampfbesprechung machte sich das Feld im Gänsemarsch auf zum Schiffsanleger. Da Neoprenpflicht bestand, zwängten wir uns bei 25° Außentemperatur schon mal in unsere Beinteile. Erste Nervosität machte sich bei mir breit, während das Schiff sich stromaufwärts zum Startplatz bewegte. 13.52 Uhr, Schwimmausstieg für ca. 400 Starter, die pünktlich zum Start um 14 Uhr an der Markierung sein sollten. Da ich mich ungern vordränge, war ich etwas knapp und hatte beim Startsignal leider noch 30 m bis zur Startline. Es ging los!

Ich pflügte mich Stück für Stück durch den Neckar. Arme, Beine, durchziehen, ruhig atmen, mein Mantra. Wo lieg ich im Feld? Wie viele sind noch hinter mir? Ein paarmal geschluckt, schmeckt nicht. Egal. Links die Kirche, rechts der Ausstieg. Teil 1 geschafft; 1700 m in 25:24 in fließendem Gewässer; ich war zufrieden.

In der Wechselzone hatte ich in der Vergangenheit den Neo auch schon mal schneller ausbekommen, aber irgendwann war ich dann doch auf der gefürchteten Radstrecke. 5-6 km über freies Feld, ich dachte, wenn der Wind so bleibt, komme ich wenigstens mit Rückenwind zurück. Unter der Autobahn durch, um die nächste Ecke und da war er, der Heartbreak-Hill am Neckar! Leichter Gang, 13, 14, 16%; nee, sagte ich mir, jetzt bei 18% steig ich ab, schleppte mich auf das nächste flachere Stück. Mit 13-15 % Steigung ging es dann 7km den Odenwald bergauf. Mein nächstes Ziel, um 15.50 Uhr am Checkpoint oben zu sein, damit ich nicht im Besenwagen zurück nach Ladenburg komme; ich hatte es dann 20 Minuten vorher erreicht und war glücklich, mich auf der Abfahrt wieder sammeln zu können. Zwei weitere brenzlige Stellen kamen noch, an denen Konzentration gefordert war; eine 180°-Kehre mit direkter Steigung und ein paar Kilometer weiter in einem Dorf mit 90°-Kehre, ebenfalls mit direkt anschließender Steigung. Hatte ich es im Dorf dann richtig gemacht und schon frühzeitig mit dem Schalten der Gangschaltung reagiert, hatte ich es vorher total vergessen und die Beine brannten, so dass ich einige Meter brauchte, um den kleineren Gang für den Berg drin zu haben. Obwohl die Steigung hier etwas geringer war, kam es mir noch schlimmer vor, als die 7km Steigung im Odenwald. So ging es dann die letzten Kilometer wieder über das freie Feld zurück zur Wechselzone, natürlich auch wieder mit Gegenwind. Aber egal, Phase 2 absolviert, 42 km und 700 Höhenmeter in 1:57, auch hier war ich dennoch zufrieden.

Eigentlich, so dachte ich im Vorfeld bei mir, wenn du Bike geschafft hast, werde ich Run schon irgendwie hinkriegen. Was ich aber bis dahin nicht auf dem Schirm hatte, war die Tatsache, dass die Temperatur mittlerweile auf 30° geklettert war; 15° wären mir lieber gewesen, aber so wurde meine vermeindlich angenehmste Disziplin, die abschließenden 10 km, zur echten Marter. Nach 5 km durfte ich bereits am Ziel vorbeilaufen, um dann noch eine letzte Runde dran zu hängen. Ich war zwar kaum schneller als ein Walker, so war ich aber zumindest in einer Bewegung, die doch eher nach Laufen aussah. Nach 80:29 Minuten Laufen und einer Gesamtzeit von 3:52:41 war ich endlich im Ziel und hatte unter dem Applaus der Zuschauer die letzten Meter ganz für mich; ich trottete ins Ziel und brauchte Wasser, Wasser, Wasser, Wasser über den Kopf. Abgestützt auf den Zaun, mit erschöpftem Grinsen im Gesicht, konnte ich mich kaum noch bewegen. Uschi und Andreas empfingen mich schon frisch geföhnt und knipsten meine Momente im Ziel, für die sich diese Quälerei gelohnt hatte. Danke, Danke! Was nur merkwürdig war, das Bildmaterial gab Eindrücke preis, die eher einen Zustand im Bereich „personal best“’ oder einen entspannten Lauf hätten vermuten lassen, als die totale Erschöpfung. Auch hier, egal, gefinisht und das war mein Ziel.

So hing ich dann mit guten Gefühlen im Zielbereich, immer noch am Zaun und konnte mich irgendwie nicht bewegen. Da ich meine Wettkampf-Verpflegung mangelhaft vorbereitet hatte, drängte mich aber irgendwas zur Verpflegungszone, aber die war noch weit, weit, weit… Ob die Verpflegung mir näher kam oder ich der Verpflegung, irgendwann hatte ich dann Melone um Melone bzw. Orange um Orange im Mund und konnte mich etwas Sammeln. Irgendwann begann ich auch wieder, meine Umgebung wahrzunehmen; es gab sogar Finisher-Geschenke; nur, woher die Kraft nehmen, die zu tragen? Das Duschtuch zu schleppen, konnte ich mir noch vorstellen, aber es gab auch noch 5kg Kartoffeln…

Irgendwie war ich mit meinen Präsenten dann aber doch an meinem Platz in der Wechselzone und döste erst mal in der Hitze triefend nass so vor mich hin. Man glaubt es kaum, aber Umziehen und Packen war eine Tortur, wie man sie sich nur als neue Disziplin vorstellen kann. …Und wie bekomm ich die Klamotten zum Auto? Frei nach dem Motto lieber unbequem aber schneller mit dem Rad zum Auto gefahren als mühsam gefühlt stundenlang gegangen, war ich dann doch am Parkplatz und konnte alles verstauen. Nun konnte ich aber, welch ein Vorteil, mit dem Auto näher an den Veranstaltungsbereich heranfahren um literweise Cola und bergeweise Pommes zu verschlingen. So der Plan! Gut, das Getränk ging rein, aber bei Pommes waren die Augen größer als der Magen. Egal, die Regeneration konnte beginnen.

Nachdem ich mich mit Uschi und Andreas noch etwas austauschen konnte, stand aber für mich wieder direkt die Heimfahrt an, obwohl ich am liebsten nur noch geschlafen hätte; aber was so ein echter Triathlet ist, der holt noch das letzte aus sich heraus und bewältigt die 300 km Rückfahrt nach Aachen. – Jetzt, nach einigen Tagen Abstand und mit wieder gewohntem Gefühl in den Beinen, ist mein Fazit: „Ein sehr gelungener Tag!“

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