Ein lang gehegter Traum wird wahr – oder Familienausflug „Ironman“

Bericht von Petra Bleimann

Schon seitdem ich Arndt bei seinen Ironman-Rennen begleitete, kam am Ende immer der Gedanke bei mir auf: „Ob ich das wohl auch schaffen würde? Einfach so, aus eigener Kraft?“ – Jahrelang hielten mich die Kinder, die Familie, der Job, die Angst, …, also viele Ausreden von einem Start ab, bis dass ich bei einem Einkaufsbummel 2017 in Maastricht entschied: „2018 mache ich einen Ironman!“ Zu meinem Entsetzen versuchte mich meine Familie nicht umzustimmen, sondern fand die Idee toll! Also gab es kein Zurück mehr.

Ein Jahr lang habe ich mich mehr oder weniger ehrgeizig vorbereitet. Besonders das Schwimmen wurde für mich zur größten Herausforderung. Aber ich schaffte zuerst 500 Meter, dann 1.000 und zum Schluss sogar über 3.000 Meter am Stück. Für viele nichts ungewöhnliches, für mich schon.

Das Radfahren trainierte ich zuerst auf der Rolle, manchmal saß Arndt neben mir, meist trainierte ich jedoch alleine, da keiner mit mir unter der lautstarken Unterstützung von Helene Fischer im Keller blieb. Erst als das Wetter besser wurde, fuhren Arndt und teilweise auch Steffen stundenlang mit mir durch die Eifel und schraubten ihr eigenes Training weit herunter. – Da ich schon immer viel gelaufen bin, wurde dies bei der Vorbereitung etwas reduziert. Anstelle des Laufens wurde Radwechseln und der Umgang mit einer Kartusche geübt.

Meinen 1. Ironman wollte ich in Zürich bestreiten. Dort hatte sich Arndt 2016 für Hawaii qualifiziert und ich hatte den Wettkampf in guter Erinnerung. Nachdem wir donnerstags mit der kompletten Familie angereist waren, ging es freitags zur Registration. Und siehe da: ich bekam sogar zwei Athletenbänder! Eins für Teilnehmer und eins für Erststarter. Voller Stolz trug ich diese Armbänder, doch leider wurde der See immer wärmer und ich befürchtete Schlimmes. Beim Einchecken war das Wetter etwas kühler und es regnete, Hoffnung auf Neopren-Erlaubnis keimte auf. Zum Glück startete Arndt trotz des fehlenden Trainings mit mir. Er packte mein Rad in der Wechselzone ein, pumpte und kontrollierte alles. Was hätte ich bloß ohne ihn gemacht?

Am Tag vorher kamen die Gansers eingeflogen und Jenny machte mir noch eine Rennfrisur bevor ich ins Bett ging. An Schlafen war natürlich nicht zu denken, aber Arndt beruhigte mich.

Der große Tag begann mit einem Frühstück im Hotelzimmer, dann ging es los. Der morgendliche Schock: „No wetsuit!“ – Ok, dann halt richtig!

Ich stellte mich in die wartende Schlange und war froh als ich die Kinder abklatschen und ins Wasser konnte. Zuerst lief es echt prima und ich konnte das Schwimmen sogar genießen. Doch nach ca. 1.500 Meter wurde mir richtig übel, so als wäre ich seekrank! Zum Teil konnte ich nur noch Brust schwimmen und musste den Kopf über Wasser halten. „Was habe ich mir nur angetan?“, dachte ich. Sollte dieser Tag schneller vorbei sein als gedacht? Ich kämpfte mich durchs Schwimmen und siehe da: In dem Moment, als ich festen Boden unter den Füßen hatte, ging es mir wieder gut! Ab aufs Fahrrad und die ersten 30 km flach am See zum Einrollen. Dann ging es links ab und es folgten einige Wellen und zwei Anstiege. Auch die ersten Verpflegungen kamen und ich machte alles genau so, wie Arndt es mir geraten hatte: Wasser über mich kippen, ISO nehmen, Wasser in den Tank füllen und Salztabletten hinein, zudem alle 20 Minuten einen Schluck aus der Gelflasche. Alles voll durchstrukturiert, so wurde mir nie langweilig. Kurz vor Ende der 1. Runde, dann der nächste Berg und hier standen Elisa, Steffen. Leni, Markus und Jenny und feuerten mich so kräftig an, dass auch die zweiten 90 km wie von selbst liefen.

In der Wechselzone angekommen, machte ich mir zum Glück keine Gedanken über den anstehenden Marathon, sondern lief einfach los! Eigentlich ging es auch gut, nur war ich zu blöd meine Uhr zu bedienen, so dass ich nie wusste, wie schnell oder langsam ich lief. Mein Ziel war es, den Halbmarathon ohne große Gehpausen zu schaffen. Das klappte gut, und auch anschließend konnte ich bei langsamerem Tempo die Gehpausen möglichst kurz halten.

Nach Kilometer 5 rief auf einmal jemand: „Hey Pitti!“ Hinter mir. Ich hatte Arndt gar nicht erkannt, er war schon eine Runde weiter! Nach einem schnellen Kuss lief jeder sein Tempo weiter. Am Ende der 3. Runde wurde mir bewusst: „Du kannst das schaffen!“ Beflügelt schaffte ich auch noch die letzte Runde und fing zwei Kilometer vor Ziel schon an zu feiern. Der Zieleinlauf war einfach grandios, das Gefühl war unbeschreiblich. Ich war der stolzeste Mensch auf Erden als ich hörte: „Petra, you are an Ironman!“ – Hinter der Ziellinie wartete Arndt mit meiner Medaille und ich fiel ihm glücklich in die Arme. Er hatte wegen seines wenigen Trainings eigentlich während des Radfahrens schon aufhören wollen, aber den Ironman wegen mir und meines Zieleinlaufes beendet. Er wollte mir unbedingt die Medaille umhängen. Ein tolles Gefühl!

Am Ende habe ich meinen 1. Ironman in 12:22 Stunden als 9. in meiner Altersklasse beendet, womit ich niemals gerechnet hätte! – Jetzt bin ich ein echter Ironman und obwohl ich den ganzen Tag gedacht habe: „Nie wieder!“, überlege ich jetzt schon, wie es weitergehen könnte!!!

Das beste war, dass Paul Key, der Sprecher vom Ironman, am nächsten Tag mit seinem Wohnmobil und seiner Frau auf unserem Campingplatz Station machte und ich noch einmal ein ganz persönliches: „You are an Ironman!“ aus seinem Mund hörte!

Mein Fazit: Wenn man etwas wirklich will, dann kann man das auch schaffen! Natürlich nur mit der richtigen Unterstützung. Lieben Dank an Arndt für die unendlichen für ihn wertlosen Radkilometer und Radpausen sowie die Tipps für alle Eventualitäten, an Steffen für die Radbegleitung beim Radeln und Laufen und an Elisa für die aufbauenden Worte über meine Schwimmtechnik! Ohne eure ständige Motivation hätte ich das nie geschafft!